Statement von Dr.in Anna Rab und Dr.in Regina Steringer-Mascherbauer, Gründerinnen der Initiative Women’s Heart Austria, zum Frauengesundheitsdialog und zur neuen Frauengesundheitsstrategie
Wir begrüßen ausdrücklich, dass das Gesundheitsministerium die Arbeit an einer neuen Frauengesundheitsstrategie beginnt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als das benennt, was sie sind: mit 37 Prozent die häufigste Todesursache bei Frauen. Der Befund des Dialogs trifft den Kern – Forschung, Diagnostik und Versorgung orientieren sich noch immer an männlichen Referenzwerten. Die Folge sind Versorgungslücken, fehlende Daten und eine geringere Sichtbarkeit frauenspezifischer Risiken.
Genau hier setzt Women’s Heart Austria an. Aufklärungskampagnen haben in den letzten Jahren Wichtiges geleistet: Sie haben das Bewusstsein dafür geschaffen, dass das Frauenherz anders schlägt. Das war der notwendige erste Schritt. Der nächste Schritt ist Wissenschaft. Denn was Leitlinien, Risikoscores und Versorgung tatsächlich verändert, sind belastbare Daten und validierte Instrumente – nicht Bewusstsein allein. Women’s Heart Austria ist deshalb bewusst als wissenschaftliche Plattform angelegt: Sie verbindet klinische Praxis mit eigener Forschung, um die Genderkardiologie evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Der blinde Fleck: Frauen zwischen 40 und 65
Den größten blinden Fleck sehen wir bei Frauen zwischen 40 und 65 Jahren – in der Lebensphase um die Perimenopause, in der etablierte Risikorechner das kardio-vaskuläre Risiko von Frauen systematisch unterschätzen. Für diese Lücke haben wir den wCAR Score (Women’s Cardiovascular Risk) entwickelt, der erstmals das kardiovaskuläre Risiko von Frauen über drei Achsen abbildet: den Menopausenstatus, entzündlich-metabolisch-natriuretische Marker sowie frauenspezifische Risikofaktoren wie Lipoprotein(a), familiäre Vorbelastung und Schwangerschaftskomplikationen. Genau jene Marker – Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, frühe Menopause –, die auch im Frauengesundheitsdialog als frühe Warnzeichen genannt werden.
In einer ersten Pilotvalidierung (n = 104) erreichte der wCAR Score in der postmenopausalen Gruppe eine deutlich bessere Trennschärfe als die etablierten Modelle (AUC 0,76 gegenüber 0,59 für SCORE2 und PREVENT).
Die wCAR-Austria-Studie
Um diesen Score breit abzusichern, haben wir die wCAR-Austria-Studie entwickelt – eine prospektive, multizentrische Validierungsstudie mit 800 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren, die modernste Photon-Counting-CT-Bildgebung nutzt. Die Studie befindet sich aktuell im finalen Bewilligungsprozess der Ethikkommission. Damit leistet Women’s Heart Austria genau das, was die neue Frauengesundheitsstrategie fordert: wissenschaftliche Evidenz zu schaffen, wo bisher Daten fehlen.
Frauenherzen verdienen keine Kampagne allein – sie verdienen eine eigene Medizin, eigene Daten und eigene Instrumente. Daran arbeiten wir.
Dr.in Anna Rab und Dr.in Regina Steringer-Mascherbauer