Neue Plattform stärkt Forschung und Vernetzung in der Genderkardiologie

© Ulli Engleder

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Österreich – und werden dennoch oft unterschätzt. Mit Women’s Heart Austria haben die Kardiologinnen Dr. Anna Rab und Dr. Regina Steringer-Mascherbauer nun eine Initiative gegründet, die genau hier ansetzt: Sie will die genderkardiologische Forschung stärken, Kardiologinnen fördern und vernetzen und das Bewusstsein für Frauenherzgesundheit erhöhen. 

Vorgestellt wurde die Initiative im Rahmen des Symposiums des Ordensklinikums Linz-Elisabethinen „Der große kleine Unterschied – Warum Gendern in der Kardiologie wichtig ist“, das am 6. März im Kunstmuseum Lentos in Linz stattfand. 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen oft unterschätzt

„37 Prozent aller Frauen sterben in Österreich an den Folgen einer kardiovaskulären Erkrankung – das sind rund 16.000 Frauen jährlich und damit deutlich mehr als an allen Krebserkrankungen zusammen“, informiert Anna Rab. Dennoch würden Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen noch immer häufig zu spät erkannt. Ein Grund: Frauen zeigen oft andere Symptome als Männer. 

wCAR AUSTRIA Study

Ein zentrales Projekt der Initiative ist die wCAR AUSTRIA Study, eine multizentrische Studie zur frühen Erkennung kardiovaskulärer Risiken bei Frauen. Ziel der Studie ist es, klassische und frauenspezifische Risikofaktoren systematisch zu erfassen und daraus einen gendersensiblen Risikoscore zu entwickeln. Damit soll eine bessere Grundlage für Prävention, Früherkennung und medizinische Versorgung geschaffen werden. „Derzeit liegt die Studie bei der Ethikkommission. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, möge sich direkt bei uns melden“, informieren Steringer-Mascherbauer und Rab. 

Vernetzung von Kardiologinnen

„Wir betreiben gezielt genderkardiologische Forschung. Auch das Empowerment und die Vernetzung von Kardiologinnen haben wir uns zum Ziel gesetzt“, informieren Rab und Steringer-Mascherbauer. 

Breite Zustimmung erhielt die Initiative aus der Medizin, Wissenschaft und Gesundheitspolitik: 

„Frauen erkranken anders – hier gibt es nach wie vor ein Forschungsdefizit, sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie. In vielen Feldern besteht hier großer Aufholbedarf. Die interdisziplinäre Vernetzung – auch international – erachte ich daher als ganz wesentlich, damit wir gemeinsam etwas für die Frauen bewegen können!“

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Med. Uni Wien, Gender Medicine Unit

„Moderne Medizin beinhaltet für mich, dass man sich ganz bewusst auch mit genderspezifischen Themen auseinandersetzt, Unterschiede erkennt und entsprechend damit umgeht.“

LAbg. Mag. Christine Haberlander, Gesundheitslandesrätin Oberösterreich

„Wir müssen in der Medizin generell mehr auf Genderaspekte achten, um unsere Patientinnen und Patienten gut behandeln zu können. In der Genderkardiologie haben wir noch Defizite. Eine Voraussetzung, um diese bestmöglich aufzuholen, sind Teams, in denen beide Geschlechter gut repräsentiert sind.“

Prim. Priv.-Doz. DDr. Martin Martinek, Ordensklinikum Linz – Elisabethinen

„Gendermedizinische Forschung und Initiativen sind wichtig, um das Thema in die Breite zu bringen und entsprechende Hilfestellungen zu geben, damit die Frauen und Männer gendergerecht behandelt werden.“

Mag. pharm. Martina Anditsch, Leiterin der Anstaltsapotheke des AKH Wien

Über Women’s Heart Austria

Women’s Heart Austria ist eine Initiative zur Förderung der geschlechterspezifischen Forschung im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel ist es, die wissenschaftliche Grundlage für Genderkardiologie zu stärken, Expertinnen zu vernetzen und das Bewusstsein für Frauenherzgesundheit zu erhöhen.