Linz: Gender-Kardiologie im Fokus

© Ulli Engleder

Gender-Kardiologie ist kein Spezialthema – sie ist ein Qualitätsanspruch an moderne Medizin. Dass dieses Bewusstsein heute stärker verankert ist, ist auch einem Format zu verdanken, das Regina Steringer-Mascherbauer, Mit-Gründerin von Women’s Heart Austria, ins Leben gerufen hat: „Der große kleine Unterschied in der Kardiologie“ – veranstaltet von der Abteilung Kardiologie des Ordensklinikums Linz-Elisabethinen im Lentos Kunstmuseum in Linz. Auch das vierte Symposium im Frühjahr 2025 hat wichtige Aspekte zur Gender-Kardiologie in den Fokus gerückt.

Prävention beginnt geschlechtsspezifisch

Einen zentralen Akzent setzte Univ.-Prof.in Alexandra Kautzky-Willer (MedUni Wien). Sie zeigte, dass sich metabolische Risikoprofile bei Frauen und Männern deutlich unterscheiden. Frauen entwickeln häufiger eine gestörte Glukosetoleranz, Männer eher eine erhöhte Nüchternglukose – mit unterschiedlichen Konsequenzen für Screening und Therapie.

Geschlechtersensible Prävention, so Kautzky-Willer, ist keine Zusatzoption, sondern Voraussetzung für wirksame Früherkennung – insbesondere im Kontext von Prädiabetes und hormonellen Veränderungen rund um Schwangerschaft und Menopause.

Herzinsuffizienz, Mikrovaskulatur und stille Risiken

Regina Steringer-Mascherbauer beleuchtete geschlechtsspezifische Unterschiede bei HFpEF. Frauen zeigen häufiger entzündliche Prozesse und mikrovaskuläre Dysfunktionen – mit klaren Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie.

Auch ANOCA und INOCA – Angina ohne obstruktive Koronarverengung – betreffen Frauen besonders häufig. Anna Rab, Mitgründerin von Women’s Heart Austria, machte deutlich, dass diese Krankheitsbilder andere diagnostische Strategien erfordern. Frauenherzen sind keine kleineren Männerherzen – sie funktionieren anders.

Blutgerinnung: Wenn Standardtherapie nicht für alle gleich wirkt

Einen wichtigen Beitrag zur Diskussion lieferte Jolanta Siller-Matula (MedUni Wien). Sie zeigte auf, dass Frauen bei antithrombotischen Therapien ein höheres Risiko für Komplikationen aufweisen können. Unterschiede im Körpergewicht, im Hormonstatus und in der Pharmakodynamik beeinflussen Wirkung und Nebenwirkungen von Gerinnungshemmern.

Ihr Appell: Therapieentscheidungen müssen individualisiert erfolgen – geschlechtsspezifische Daten sind essenziell, um Über- oder Untertherapie zu vermeiden.

Wissen schafft Versorgungsgerechtigkeit

Mehrere Referent:innen betonten, dass Frauen in klinischen Studien nach wie vor unterrepräsentiert sind. Das betrifft medikamentöse Therapien ebenso wie Device-Behandlungen. Ohne belastbare Daten bleibt geschlechtersensible Medizin Stückwerk.

Das Symposium 2025 hat erneut gezeigt: Die Zukunft der Kardiologie ist geschlechtersensibel. Und Wissen stärkt Frauenherzen.

Auch heuer wird das Gender-Symposium wieder stattfinden – am 6. März. Weitere Informationen zum Programm folgen in Kürze.

Uli Engleder
© Ulli Engleder